Dissertation: Impact of Sustainability Governance

HSBA-Doktorandin verteidigt erfolgreich ihre Dissertation. Herzlichen Glückwunsch!

Johanna Försterling promovierte von 2018 bis 2025 berufsbegleitend im Rahmen des kooperativen Doktorandenprogramms der HSBA am Ingeborg-Gross-Graduate-Center und der Helmut-Schmidt-Universität. Sie wurde an der HSBA von Prof. Dr. Sarah Jastram und an der Helmut-Schmidt-Universität von Prof. Dr. Stefan Müller betreut. Wir haben mit ihr über ihr Forschungsfeld und die Ergebnisse ihrer Arbeit gesprochen. 

Wie sind Sie auf Ihr Forschungsgebiet aufmerksam geworden?

Ich bin eher „praktisch“ auf mein Forschungsgebiet gestoßen. Im Zuge einer früheren Studie habe ich eine Befragung unter Unternehmen der Hamburger Wirtschaft zur Einführung der Non-Financial Reporting Directive durchgeführt, der ersten verpflichtenden EU-Richtlinie zur nichtfinanziellen Berichterstattung. Dabei habe ich sehr direkt miterlebt, wie Unternehmen mit dieser neuen Regulierung umgehen, welche Fragen, Unsicherheiten, aber auch Chancen sich daraus ergeben.

Besonders spannend fand ich dabei weniger nur die Berichtspflicht an sich, sondern die dahinterliegende Frage: Verändert so eine Regulierung tatsächlich etwas im Unternehmen? Hat sie einen echten Impact auf Nachhaltigkeitsstrategien und -praktiken – oder bleibt vieles reine Formalie? Aus genau diesem Spannungsfeld heraus hat sich mein Interesse an Fragen zum „Impact of Sustainability Governance“ entwickelt und schließlich zu meinem Forschungsfokus geführt.

Was ist der Schwerpunkt Ihrer Doktorarbeit?

Der Schwerpunkt meiner Doktorarbeit liegt auf der Frage, welche tatsächliche Wirkung Sustainability Governance auf die Erreichung von Nachhaltigkeitszielen hat. Mich interessiert dabei vor allem, wie sich diese Wirkung überhaupt fassen und bewerten lässt: Welchen Mehrwert haben die zahlreichen Regeln, Standards und Berichtspflichten und wie muss man Nachhaltigkeit im Unternehmen steuern, damit wirklich Impact entsteht?

Dabei verstehe ich Sustainability Governance bewusst breit: Es geht nicht nur um staatliche Regulierung, sondern auch um unternehmensinterne Steuerungsmechanismen.

Gibt es ein Ergebnis Ihrer Forschungen, dass sie hervorheben möchten?

Ich habe eine kumulative Doktorarbeit geschrieben, also mehrere Studien, die alle das gleiche Grundthema aufgreifen. Deshalb fällt es mir gar nicht so leicht, „das eine“ wichtigste Ergebnis zu benennen. Wenn ich es zusammenfassen muss, ist für mich das zentrale Ergebnis die begriffliche Schärfung von „Impact“ und die Entwicklung eines Modells zu seiner Messung. In Praxis und Forschung wird sehr häufig von Impact gesprochen, obwohl eigentlich nur Outcomes beschrieben werden – also Ergebnisse, die zwar sichtbar sind, aber noch nicht unbedingt eine tiefgreifende, nachhaltige Wirkung darstellen. In meiner Arbeit unterscheide ich deshalb klar zwischen Outcome und Impact und knüpfe dabei an ein Impact-Chain-Modell an. Um diese Unterscheidung nicht nur über „kurzfristig“ versus „langfristig“ zu treffen, habe ich zwei zusätzliche Indikatoren eingeführt: „Key Actors“ und „Type of Change“. Dadurch lässt sich genauer erfassen, wer eigentlich von einer Veränderung betroffen ist und welche Art von Veränderung eintritt. So wird deutlicher, wann wir wirklich von Impact sprechen können – und wann es sich eher „nur“ um Outcome handelt. Dieses Modell ist für mich ein besonders wertvolles Ergebnis, weil es eine Grundlage dafür schafft, den Impact von Sustainability Governance klarer zu beschreiben, besser zu messen und fundierter zu diskutieren.

Ein weiteres, für mich besonders wertvolles Ergebnis meiner Doktorarbeit ist die Erkenntnis, dass der starke Wunsch nach Quantifizierbarkeit im Nachhaltigkeitsbereich – gerade im Reporting und bei Ratings – nur begrenzt trägt. Zwar orientieren sich viele Akteure an der Logik der finanziellen Berichterstattung und möchten alles in Kennzahlen und KPIs übersetzen. Meine Forschung zeigt jedoch, dass die Natur vieler Nachhaltigkeitsthemen grundlegend anders ist: komplexer, langfristiger und stark kontextabhängig.

Für mich wichtig ist daher: Qualitative Informationen sind kein „nice to have“, sondern ein zentraler Bestandteil einer seriösen Beurteilung von Nachhaltigkeitsleistungen – gerade dort, wo reine Zahlen die Wirklichkeit zu sehr verkürzen würden.

Wie relevant sind die Erkenntnisse Ihrer Arbeit für Ihre berufliche Zukunft?

Für meine berufliche Zukunft sind die Ergebnisse meiner Doktorarbeit sehr direkt relevant. Ich arbeite praktisch in der Wirtschaft als Senior Sustainability Reporting Manager, und gerade die Erkenntnis, dass Impact komplex ist und sich nicht in zwei, drei KPIs messen lässt, hilft mir im Alltag enorm. Sie unterstützt mich dabei, Themen richtig einzuordnen, Prioritäten zu setzen und mich immer wieder daran zu erinnern, worum es letztlich geht: nicht jede Unterkennzahl bis ins letzte Detail perfekt abzubilden, sondern ein ehrliches, transparentes Gesamtbild von Nachhaltigkeitsleistung und -wirkung zu vermitteln.

Die in der Arbeit entwickelten Konzepte tragen dazu bei, Nachhaltigkeitsleistungen besser vergleichbar zu machen, Maßnahmen fundierter zu bewerten und Steuerung zielgerichteter auszurichten.

Gleichzeitig haben die Ergebnisse auch eine klare wissenschaftliche Relevanz: Die begriffliche Schärfung von Impact und das vorgeschlagene Modell erleichtern die Vergleichbarkeit von Forschungsergebnissen und stärken die theoretische Fundierung im Feld der Sustainability Governance.