New Work: „Je individueller ein Job gestaltet werden kann, desto zukunftsfähiger ist ein Unternehmen“

Interview mit unserem Kanzler Alexander Freier über die Erwartungen junger Berufsstarterinnen und -starter

Im Rahmen des FaceClub CEO Dinners am 25. Januar sprach Alexander Freier mit der FaceClub-Redaktion über die neuen Anforderungen von Arbeitgebern und welchen Herausforderungen sie sich stellen müssen, um Top-Talente für sich zu gewinnen.

Faul, unmotiviert und fordernd – so heißt es über die Generation Z. Ist ihr Ruf tatsächlich so schlecht oder will die junge Genration nur einfach anders arbeiten?
„Über diese Vorurteile kann ich nur schmunzeln, weil sie alle jungen Menschen zu Unrecht über einen Kamm scheren. Genau wie die Arbeitswelt haben sich auch die Vorstellungen von einem erfüllten Berufsleben verändert. Sicherlich gibt es Berufsanfänger, die stark freizeitorientiert sind und die es großartig finden würden, nur vier Tage in der Woche zu arbeiten. An der HSBA erlebe ich dagegen jeden Tag Studierende, die mit viel Spaß und einer sehr hohen Leistungsbereitschaft ihre Ärmel hochkrempeln, weil sie etwas erreichen und ihre Fähigkeiten in einem Unternehmen aktiv und sinnstiftend einbringen möchten.“

Was erwarten die jungen Bewerberinnen und Bewerber von ihrem zukünftigen Arbeitgeber?
„Die beruflichen Ziele sind grundsätzlich sehr individuell geprägt und von der einzelnen Person abhängig. Was jedoch bei vielen jungen Menschen an Bedeutung zunimmt, ist der Wunsch nach einer Tätigkeit, die zur eigenen Lebenssituation passt. Beruf und Privatleben besser und flexibler in eine Balance zu bringen, wird für viele Mitarbeitende immer wichtiger. Je besser ein Arbeitgeber bereit ist, auf diese Bedürfnisse einzugehen und je individueller ein Arbeitsplatz gestaltet werden kann, desto zukunftsfähiger ist ein Unternehmen aufgestellt.“

Kleine Unternehmen konkurrieren mit Konzernen um dringend benötigte Fachkräfte. Haben die großen Player automatisch die besseren Karten?
„Im Gegenteil! Insbesondere kleine Unternehmen können Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern viele große Chancen bieten. Während es in Konzernen klar definierte Strukturen gibt, die in der Regel nur wenig Spielräume, z.B. durch bestehende Betriebsvereinbarungen, zulassen, können kleine Unternehmen viel unkomplizierter auf die persönlichen Wünsche der Mitarbeitenden reagieren. Kurze Entscheidungswege und flache Hierarchien machen es oft viel leichter, individuelle Arbeitsmodelle in die Tat umzusetzen.“

Abenteuerreisen, Personal Trainer oder jedes Jahr ein neues Tattoo: Die Auswahl an Mitarbeiter-Benefits ist groß. Lassen sich junge Jobsuchende von diesen Zusatzleistungen langfristig an ein Unternehmen binden?
„Tischkicker, Hängematten und Co im Büro bringen überhaupt nichts, wenn das Fundament nicht stimmt! Ein ausgefallenes Benefit ersetzt beispielsweise kein adäquates Gehalt. Viel wichtiger ist es, den jungen Menschen Perspektiven aufzuzeigen, mit ihnen regelmäßig im Gespräch zu bleiben und in die Weiterentwicklung ihrer Kompetenzen zu investieren. Trotzdem gibt es natürlich Zusatzleistungen, die einen attraktiven Mehrwert für Arbeitnehmende darstellen. Unsere Professorin für Human Resources Management, Daniela Eisele-Wijnbergen, tauscht sich dazu regelmäßig mit unseren Studierenden aus. Häufig genannt werden Workations, Fitnessstudio, Mitarbeiterrabatte, Zuschuss zum Deutschlandticket oder Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten.“

Auf welche zusätzlichen Entwicklungen müssen sich deutsche Unternehmen in den nächsten Jahren einstellen?
„Durch die im Juni verabschiedete EU-Richtlinie zur Entgelttransparenz muss die Bundesregierung das 2017 in Kraft getretene Entgelttransparenzgesetz (EntgTranspG) bis 2026 deutlich verschärfen. Danach sind Unternehmen unter anderem verpflichtet, Arbeitssuchende über das Einstiegsgehalt der ausgeschriebenen Stelle zu informieren. Außerdem müssen die Betriebe regelmäßig Daten zum geschlechtsspezifischen Lohngefälle vorlegen. Der Verhandlungsspielraum der Arbeitnehmenden wird also weiter deutlich zunehmen.“

Auf dem Panel des CEO Dinners am 25. Januar diskutierte Alexander Freier mit Sebastian Müller (Verbandsgeschäftsführer Fachanwalt für Arbeitsrecht DFK), Carola Herrmann (Head of HR, Hedin Electric Mobility GmbH), Diana Mynarek (Unternehmerin, HR-Strategin, Business Coach und Trainerin) und Silvia Wiesner (Consultant | Leadership Advisory, Egon Zehnder) unter der Moderation von Kerstin von Stürmer über die neuen Anforderungen von Arbeitgebern und welchen Herausforderungen sie sich nun stellen müssen.