Wie sind Sie zu Ihrem Forschungsgebiet gekommen?
Die Vorstellung, dass Unternehmen einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft haben können, hat mich schon seit vielen Jahren beschäftigt und wurde gegen Ende meines Bachelorstudiums zu einer meiner Hauptmotivationen. Während meines Studiums an der HSBA habe ich mich für den Schwerpunkt „Sustainable Leadership“ entschieden und später meine Masterarbeit über die intraorganisationalen Auswirkungen freiwilliger Nachhaltigkeitsinitiativen geschrieben. Von diesem Zeitpunkt an war klar, dass dies das einzige Thema sein würde, das ich für eine Promotion in Betracht ziehen würde. Die Aussicht, zu nachhaltigeren Geschäftspraktiken beizutragen, war von Anfang an meine Hauptmotivation.
Was ist der Schwerpunkt Ihrer Doktorarbeit?
Meine Dissertation trägt den Titel „Nur zur Schau? Die institutionelle Rolle freiwilliger Nachhaltigkeitsinitiativen in der Corporate Social Responsibility Governance”. Im Wesentlichen untersucht sie freiwillige Nachhaltigkeitsinitiativen wie den UN Global Compact oder die UN Sustainable Development Goals (SDGs), die darauf abzielen, auf freiwilliger Basis nachhaltigere Geschäftspraktiken zu fördern. Da Organisationen diese Initiativen auf verschiedene Weise umsetzen, sind sie zu wichtigen Instrumenten der Corporate Social Responsibility (CSR) Governance geworden und spielen mittlerweile eine wesentliche institutionelle Rolle. Unternehmen nutzen diese Initiativen als Orientierungshilfe, Beratung und Legitimation. In Zeiten schwankender nicht-freiwilliger Regulierung, beispielsweise mit der CSRD und den damit verbundenen Omnibus-Paketen, verlassen sich Organisationen zunehmend auf Nachhaltigkeitsinitiativen, um sich zu orientieren. Meine Dissertation versucht, dies genauer zu verstehen.
Was sind die wichtigsten Ergebnisse Ihrer Doktorarbeit und an wen richten sich Ihre Ergebnisse?
Die Dissertation zieht Schlussfolgerungen über die institutionellen Auswirkungen freiwilliger Nachhaltigkeitsinitiativen und deren Implikationen für die CSR-Landschaft im Allgemeinen, mit konkreten Empfehlungen für Manager und politische Entscheidungsträger. Eine zentrale Erkenntnis ist, dass wir uns von einer binären Sichtweise der institutionellen Umsetzung (Hat eine Organisation den UN Global Compact umgesetzt?) hin zu einem differenzierteren Verständnis (Wie tiefgreifend und in welchen Teilen der Organisation wurde der UN Global Compact umgesetzt?) bewegen müssen. Diese differenziertere Sichtweise hilft zu erklären, wann und wie solche Initiativen das Unternehmensverhalten tatsächlich beeinflussen.
Gibt es Ergebnisse oder Erkenntnisse, die Sie besonders überrascht haben?
Ich erinnere mich an eine besonders schwierige Phase etwa zwei bis drei Jahre nach Beginn meiner Promotion. Angesichts der zunehmenden Berichtspflichten und CO2-Bepreisung begann ich mich zu fragen, ob es noch einen Platz für freiwillige CSR-Maßnahmen gibt oder ob die Regulierung einfach die Rolle der Förderung nachhaltiger Geschäftspraktiken übernehmen würde. Während ich meine gesamte Dissertation hinterfragte, war ich auch hoffnungsvoll (im Nachhinein vielleicht naiv), dass Instrumente wie die EU CSRD, ETS und CSDDD die zentralen Herausforderungen der Nachhaltigkeit angehen würden. Heute ist klar, dass staatliche Regulierung volatiler ist als viele erwartet hatten und freiwillige CSR nach wie vor von entscheidender Bedeutung ist. Während jede Arbeit oder jedes Kapitel meiner Dissertation spezifischere, technische Überraschungen mit sich brachte, war die wichtigste Erkenntnis für mich, dass freiwillige CSR nach wie vor einen erheblichen Einfluss haben kann.
Wie relevant ist Ihre Arbeit für Ihre weitere berufliche Entwicklung?
Parallel zu meiner Tätigkeit im Unternehmen habe ich vor etwa drei Jahren mit dem Unterrichten begonnen und kann deutlich erkennen, wie sich meine Lehrtätigkeit und meine Forschung gegenseitig verstärken, was ich sehr ermutigend finde. Im Laufe meiner Promotion habe ich mir fundierte Fähigkeiten angeeignet: akademische Debatten zu führen, wissenschaftliche Studien zu lesen und zu interpretieren, mit kritischem Feedback umzugehen und fundierte, forschungsbasierte Argumente zu entwickeln. Diese Fähigkeiten stärken meine Belastbarkeit und meine Kommunikationsfähigkeiten und bilden einen Grundstein für meine zukünftige Karriere sowohl in der Industrie als auch in der Wissenschaft.