Dissertation: Ursachen und Effekte von Partizipation in sozialen Medien in einer zivilen Krise

Herzlichen Glückwunsch! Unsere Doktorandin Ricarda Bohn verteidigte am 14. Juni erfolgreich ihre Dissertation.

Im Rahmen des kooperativen Promotionsprogramms der HSBA beschäftigte sich Ricarda Bohn intensiv mit der Beziehung zwischen der Nutzung sozialer Medien und politischem oder bürgerschaftlichem Verhalten, insbesondere mit der Frage wie soziale Medien als "demokratisches Werkzeug" und im Interesse der Demokratie genutzt werden können.

Ricarda Bohn wurde an der HSBA von Prof. Dr. Dennis Ahrholdt und an der University of Southern Denmark von Prof. Dr. Oliver Schnittka betreut. In einem kurzen Interview spricht sie über ihr Forschungsfeld und die Ergebnisse ihrer Arbeit. 

Wie sind Sie auf Ihr Forschungsgebiet aufmerksam geworden?

Ich interessiere mich schon seit der High School für Journalismus, Medien und Kommunikation. Daher habe ich meinen Bachelor- und Masterabschluss in diesem Bereich gemacht. Ich habe viel über Kommunikationswissenschaft, Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikationstechnologien gelernt. Es war klar, dass ich dieses Wissen während meines Promotionsstudiums vertiefen und erweitern wollte.

Was ist der Schwerpunkt Ihrer Doktorarbeit?

Meine Forschung konzentriert sich auf die Beziehung zwischen der Nutzung sozialer Medien und politischem oder bürgerschaftlichem Verhalten. In den letzten Jahren ist die Zahl der Nutzer sozialer Medien enorm gestiegen, und soziale Medien sind zu einem wichtigen Kanal für Nachrichten und politische Informationen für Bürger weltweit geworden. Im Gegensatz zur wachsenden Zahl der Social-Media-Nutzer ist die Wahlbeteiligung bei politischen Wahlen und die politische Partizipation im Allgemeinen weltweit zurückgegangen. In Anbetracht der Gefahren und Hindernisse, die soziale Medien mit sich bringen, konzentriert sich meine Forschung auf die Frage, wie soziale Medien als "demokratisches Werkzeug" und im Interesse der Demokratie genutzt werden können.

Was sind die wichtigsten Ergebnisse Ihrer Doktorarbeit?

Meine Dissertation leistet einen Beitrag zur wissenschaftlichen Diskussion über die Nutzung sozialer Medien, Verschwörungsvorstellungen und politische Partizipation, indem sie die direkten Effekte zwischen der Nutzung sozialer Medien und politischer Partizipation untersucht, aber auch indirekte - vermittelnde und moderierende - Effekte auf diese Beziehung berücksichtigt.

Die Ergebnisse dieser Dissertation zeigen deutlich, dass soziale Medien als Instrument zur Förderung der politischen Meinungsäußerung sowie der politischen und bürgerlichen Partizipation dienen. Die wichtigsten Ergebnisse sind, dass die Nutzung von sozialen Informationsmedien positiv mit der politischen Partizipation (z. B. der Wahlabsicht) und negativ mit bürgerschaftlichem Verhalten (z. B. präventivem Verhalten während der COVID-19-Pandemie) verbunden ist. Darüber hinaus stand die Nutzung sozialer Medien in einem positiven Zusammenhang mit Verschwörungsüberzeugungen, die wiederum in einem negativen Zusammenhang mit dem präventiven Verhalten während der COVID-19-Pandemie standen.

An wen richten sich Ihre Ergebnisse und wie können sie genutzt werden?

Meine Ergebnisse richten sich an Wissenschaftler im Bereich der Kommunikationswissenschaft und der sozialen Medien, an Social-Media-Experten und -Praktiker in Unternehmen oder staatlichen Institutionen sowie an die breite Öffentlichkeit. Die aus meinen wissenschaftlichen Ergebnissen gezogenen Implikationen können als Grundlage für weitere Forschung, für die Ausbildung im Umgang mit sozialen Medien und für die tägliche Arbeit bei der Gestaltung von Social Media-Inhalten mit politischen Informationen genutzt werden.

Gibt es Ergebnisse oder Entdeckungen, die Sie überraschen?

Ich war nicht überrascht, aber es hat mich sehr zum Nachdenken gebracht, dass die Nutzung sozialer Medien zu Informationszwecken positiv mit Verschwörungsüberzeugungen verbunden war, die wiederum negativ mit dem Präventionsverhalten während der COVID-19-Pandemie zusammenhingen. Dies verdeutlicht die Macht der sozialen Medien und die Notwendigkeit, konsequenter gegen Fehlinformationen und Fake News in den sozialen Medien vorzugehen.

Wenn Sie weiter forschen würden, was würden Sie erforschen?

Da soziale Medien zu einem integralen Bestandteil unseres täglichen Lebens geworden sind und sich ständig weiterentwickeln, ist es wichtig, dass sich die künftige Forschung umfassend mit diesem Bereich befasst und dass die akademische Wissenschaft erforscht, wie soziale Medien, einschließlich all ihrer Funktionen und Innovationen, zum Nutzen der Demokratie eingesetzt werden können. Ich würde also meine Forschung in diesem Bereich fortsetzen. Allerdings würde ich versuchen, kleinere Untersuchungsobjekte in Angriff zu nehmen, wie etwa spezifische Anwendungsfälle, die sich explizit auf eine Social-Media-Plattform, eine bestimmte Gruppe von Social-Media-Nutzern oder ausgewählte Social-Media-Profile konzentrieren.